Milliardendeal: Google darf Motorola übernehmen
Die US-Wettbewerbswächter sowie die EU-Kommission geben grünes Licht für die Übernahme des Mobilfunk-Unternehmens Motorola durch den kalifornischen Suchmaschinengiganten Google. Gleichzeitig sprachen die Behörden eine deutliche Warnung im Hinblick auf das Patentportfolio von Motorola aus.
Der Smartphone-Hersteller Motorola ist Urheber verschiedener Patente, ohne die heute kein Smartphone oder Tablet nach bekanntem Muster gefertigt werden kann. Für Google spielen jene Schutzrechte eine wesentliche Rolle bei der 12,5 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme. Das umtriebige Unternehmen will damit die Stellung seines Smartphone-Betriebssystems “Android” stärken. Weltweit ist die junge Benutzerplattform bereits führend, steht jedoch damit regelmäßig im Visier von Patentklagen durch Konkurrenten wie Apple und Microsoft.
Die Regulierer billigten den Deal mit der Randnotiz, dass Googles Umgang mit den Patenten genau beobachtet wird. Auch dürfte es kein Zufall sein, dass das US-Justizministerium gleichzeitig auch die Übernahme weiterer Patentpakete durch Google-Wettbewerber freigab: So darf der Unterhaltungselektronik-Primus Apple die Patente des Softwarespezialisten Novell und des Telekommunikationsausrüsters Nortel kaufen. Auch der Smartphone-Hersteller RIM und Microsoft werden Teile des Nortel-Portfolios einverleiben.
Motorola wurde bereits 1928 gegründet und gehört zu den ältesten, noch aktiven Mobilfunk-Pionieren. Das erste Mobiltelefon baute das Unternehmen aus Schaumburg/Illinois bereits 1983. Mit der Übernahme geht ein riesiges Sammelsurium von etwa 17.000 Patenten sowie 6.800 Patentanträgen an Google. Von besonderem Interesse dürften die Patente sein, die die Basis für den Mobilfunk-Datenübertragungsstandard UMTS stellen.
Für Google könnte die Patentschatztruhe des Altmeisters einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil bedeuten. Zuletzt schien die Anzahl der mit Patentverletzungen begründeten Klagen und Abmahnungen deutlich zugenommen zu haben. Ein prominentes Beispiel ist der anhaltende Kampf zwischen Apple und Samsung. Doch das juristische Kräftemessen findet nicht nur auf Konzernebene statt: Erst kürzlich ließ Motorola den Online-Verkauf bestimmter Apple iPhone- und iPad-Modelle in Deutschland unterbinden, da dadurch ein Patent für den Funkstandard GPRS verletzt wurde. Mittlerweile jedoch wurde das Verkaufsverbot in der Berufungsinstanz vorläufig ausgesetzt.
(gt)

