Hollande will 75 Prozent Reichensteuer für Frankreich
Sollten die Sozialisten bei der kommenden Präsidentschaftswahl in Frankreich die Führung übernehmen, müssen sich wohlhabende Bürger warm anziehen: Kandidat François Hollande stellt eine Reichensteuer in Höhe von 75 Prozent in Aussicht.
Hollande enthüllte sein Vorhaben am Montagabend: Er sieht eine entsprechende Besteuerung für Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro vor. Gleichzeitig wollen die Sozialisten die unter der Regierung Sarkozy eingeführten Steuererleichterungen wieder zurücknehmen, sagte der Kandidat dem Fernsehersender “TF1″. Das gesamte Steuersystem soll im Falle eines Siegs umgekrempelt und fairer gestaltet werden. Dabei sieht Hollande auch eine höhere Kapitalertragssteuer vor.
Zum Vergleich: In Deutschland liegt die sogenannte Reichensteuer bei 45%. Sie gilt ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.731 Euro für Ledige beziehungsweise 501.462 Euro bei gemeinsamer Veranlagung. Die gesetzliche Grundlage wurde Ende 2005 von CDU, CSU und SPD vereinbart und steht seit der Wirtschaftskrise wieder vermehrt in der Debatte, so insbesondere im Hinblick auf die vielfach geforderte Wiedereinführung der Vermögenssteuer.
Bereits im Vorfeld erwies sich die Steuerpolitik als Trumpfkarte im Wahlkampf. Das amtierende Staatsoberhaupt Sarkozy stellte niedrigere Lohnsteuerbelastungen für Geringverdiener in Aussicht. Angesichts eines schwindenden Rückhalts verlagerte er den Fokus seines Wahlkamps zuletzt aber mit einem deutlichen Rechtsruck: Kein Wahlrecht für Ausländer aus Nicht-EU-Ländern, keine Homo-Ehe, keine Adoptionsfreigabe für gleichgeschlechtliche Ehen.
Die französischen Präsidentschaftswahlen finden in zwei Etappen statt. Die erste steht am 22. April, die zweite am 6. Mai bevor.
(gt)

